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Mehr Arten, mehr Nutzen

Neue Studien zeigen, dass Mischwälder in Europa eine größere Ökosystemleistung erbringen

Mehr Arten, mehr Nutzen

Entwicklung von Mischbeständen: In einem Fichtenwald werden junge Buchen gepflanzt. Foto: Jürgen Bauhus

Artenreiche Wälder erbringen mehr und vielfältigere Dienstleistungen als artenärmere und homogene Wälder. Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 29 europäischen Institutionen des EU-Projekts FunDivEUROPE gekommen. In dem von Prof. Dr. Michael Scherer-Lorenzen von der Professur für Geobotanik der Universität Freiburg koordinierten Vorhaben hat das Team den Zusammenhang zwischen lokaler und regionaler Artenvielfalt und Ökosystemleistungen in sechs unterschiedlichen Ländern von kaltgemäßigtem bis mediterranem Klima untersucht. Zudem konnten die Forscherinnen und Forscher erstmals zeigen, wie wichtig die Vielfalt von Bäumen und Waldbeständen auf der Ebene von Waldlandschaften für die Natur und den Menschen ist. Die Gruppe hat die Studie in den Fachjournalen „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America” (PNAS) und „Nature Communications” veröffentlicht. Die Europäische Union förderte FunDivEUROPE mit sieben Millionen Euro.

Bäume sind Dienstleister: Ihr Holz wird zum Bauen und Heizen genutzt, sie wandeln Kohlendioxid in Sauerstoff um, schützen den Boden vor Erosion, tragen zur Sicherung der Trinkwasserversorgung bei und spielen nicht zuletzt eine wichtige Rolle für Freizeit und Erholung. Die meisten europäischen Wälder bestehen aus einer oder nur wenigen verschiedenen Baumarten. Die Wissenschaftler haben nun gezeigt, dass eine größere Artenvielfalt in Wäldern von großem Nutzen wäre: Eine Baumart kann einzelne Beiträge wie beispielsweise qualitativ gutes Holz bieten. Dagegen ist eine Fülle von Angeboten – etwa ein Lebensraum für Vögel oder andere Tiere, ein attraktiver Ort zur Erholung und der Erhalt der Wasserqualität – nur in einem vielfältigen Wald möglich. Die Forscher warnen daher vor einem Verlust der Biodiversität in europäischen Wäldern und den damit einhergehenden Einbußen für Mensch und Natur. Die Baumartenvielfalt könne mit einfachen Mitteln erhöht werden. Dazu zähle, den vielfältigen Jungwuchs und die natürliche Ausbreitung von Samen zu unterstützen, zusätzliche Arten anzupflanzen und die Artenzusammensetzung großer Waldgebiete zu variieren. Diese Maßnahmen kämen bislang jedoch zu wenig zum Einsatz.

„Die Umwandlung von Rein- in Mischbestände kann sich langfristig auch ökonomisch auszahlen, da Baumartenvielfalt eine Versicherung gegenüber zunehmenden Risiken des globalen Wandels ist, zum Beispiel gegenüber eingeschleppten Schädlingen“, sagt Prof. Dr. Jürgen Bauhus, Leiter der Professur für Waldbau der Albert-Ludwigs-Universität, der an der Studie beteiligt war. Für die Forstwirtschaft käme es nicht nur darauf an, möglichst gemischte Bestände zu haben, sondern dass diese auch wirtschaftlich attraktive Baumarten wie etwa wertvolles Nadelholz enthalten. „Die Ergebnisse zeigen jedoch auch, dass die Waldentwicklung in Deutschland zukunftsfähig ist“, stellt Bauhus fest. „Wie die Bundeswaldinventur belegt, werden die einheimischen Wälder kontinuierlich artenreicher.“

Originalpublikationen:
van der Plas, F. et al. (2016). Biotic homogenization can decrease landscape-scale forest multifunctionality. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. DOI: 10.1073/pnas.1517903113

van der Plas, F. et al. (2016). Jack-of-all-trades effects drive biodiversity-ecosystem multifunctionality relationships in European forests. In: Nature Communications. DOI: 10.1038/NCOMMS11109


Projekt „Funktionelle Bedeutung von Biodiversität in europäischen Wäldern“ (FunDivEUROPE)


Kontakt:
Prof. Dr. Jürgen Bauhus
Institut für Forstwissenschaften
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-3677
E-Mail: juergen.bauhus@waldbau.uni-freiburg.de

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