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Dienstrad statt Dienstwagen (24.05.2018)

Der Wegweiser „Nachhaltiges Handeln in Unternehmen und Regionen“ soll kleineren und mittleren Unternehmen helfen, ihr soziales und ökologisches Handeln zu stärken. Umweltwissenschaftlerin Dr. Chantal Ruppert-Winkel und Simon Funcke vom Zentrum für Erneuerbare Energien der Universität Freiburg haben mit ihrem Team den Katalog erarbeitet. Im Gespräch mit Annette Kollefrath-Persch erklären die Forschenden, wie Unternehmen vorgehen können. Der erste Schritt: eine Bestandsaufnahme.
 Dienstrad statt Dienstwagen  (24.05.2018)

Es gibt viele Punkte, bei denen Unternehmen, die nachhaltig handeln möchten, ansetzen können, sagen Chantal Ruppert-Winkel und Simon Funcke. Der Wegweiser soll ihnen zeigen, wie sie dabei strukturierter vorgehen können. Foto: Thomas Kunz

Frau Ruppert-Winkel, Herr Funcke, warum brauchen Unternehmen einen Wegweiser für nachhaltiges Handeln?

Simon Funcke: Sehr viele kleine und mittlere Unternehmen, die so genannten KMU, sind bereits in zahlreichen Bereichen nachhaltig aktiv. Sie gehen dabei aber oft noch nicht strategisch vor.

Chantal Ruppert-Winkel: Vielen Unternehmen ist gar nicht klar, dass das, was sie im sozialen oder ökologischen Bereich machen, über das normale Maß hinausgeht. Der Wegweiser soll ihnen Möglichkeiten zeigen, wie sie das strukturierter und zielgerichteter angehen und kommunizieren können.

Was bedeutet „nachhaltiges Handeln“ konkret im Arbeitsalltag?

Ruppert-Winkel: Es ist wichtig, dass die Unternehmensleitungen das Thema an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herantragen, um deren Bewusstsein zu prägen. Das beginnt damit, dass die Lichter beim Verlassen der Räume ausgemacht werden.

Funcke: Natürlich sollten recycelbare Materialien wie Druckerpapier oder Ökostrom verwendet werden oder zum Beispiel genug Fahrradstellplätze zur Verfügung stehen. Dann ist es für Mitarbeiter interessanter, auf dem Weg zur Arbeit auf das Auto zu verzichten. Und statt Dienstwagen können auch Diensträder angeboten werden.

Wie können Unternehmen dabei strategisch vorgehen?

Ruppert-Winkel: Zunächst braucht es eine Analyse. Wo stehe ich? Wie hoch setze ich meine Ziele? Wie ist das umsetzbar? Das sind die grundlegenden Fragen. Dabei sind Kooperationen mit Kommunen oder Netzwerken hilfreich. Beispiele dafür stellen wir in dem Ratgeber vor. In der Regel gibt es Anlaufstellen für die Unternehmen, aber leider sind sie oft nicht ausreichend bekannt.

Wann und wie sollte ein Unternehmen die Veränderungen kommunizieren?

Funcke: Es muss den Unternehmen klar sein, dass sie sich durch die Kommunikation angreifbar machen können. Sie müssen den passenden Zeitpunkt finden, um über die Veränderungen zu sprechen – also die Veränderungen nicht zu früh nach außen tragen und nicht über zu kleine Maßnahmen reden. Und für jede Information braucht es angemessene Kanäle.

Ruppert-Winkel: Genau, die KMU sollten sich vor allem fragen, wie sie zunächst ihre Mitarbeiter und dann die Menschen in der Region erreichen. Das kann zum Beispiel durch Social-Media-Angebote funktionieren.

An welchen Stellen sollte die Universität Freiburg ansetzen, um nachhaltiger zu agieren?

Ruppert-Winkel: Während eine gerade fertiggestellte Masterarbeit von Andrew Bonneau zu universitären Stoffströmen insbesondere technische Büro- und Laborgeräte als größten Verursacher von Treibhausgasemissionen identifiziert hat, gibt es darüber hinaus viele weitere Ansatzpunkte, mit denen man individuell im Kleinen beginnen kann: So sollten in den einzelnen Abteilungen die Kaffeemaschinen auf den Prüfstand kommen – wie viel Strom verbrauchen sie, und wird Kaffee aus ökologischem Anbau und Fairtrade verwendet? Darüber hinaus sollte man sich die Fragen stellen, ob es besondere soziale und ökologische Maßnahmen gibt, und ob die Mitarbeiter von den Angeboten und Möglichkeiten wissen.

Funcke: Und wenn die Universität Angebote schafft, darf sie nicht nach dem ersten Schritt aufhören. Es ist toll, dass es bereits Fahrradstellplätze gibt. Aber je nach Witterung und Entfernung wollen sich die Mitarbeiter nach der Fahrt zum Büro umziehen und waschen. Dafür sollte es in den Gebäuden Duschen geben, welche bekannt und einfach zu nutzen sind. Alle Verbesserungen sollten bis zum Ende durchdacht und kommuniziert werden.

 

Webseite des Projekts

Wegweiser zum Download

 

Hilfe für Kommunen

In einem Forschungsprojekt mit dem Titel „EE-Regionen: Sozialökologie der Selbstversorgung“ hat Chantal Ruppert-Winkel bereits zu einem früheren Zeitpunkt gemeinsam mit ihrem Team einen Wegweiser erarbeitet, der Kommunen beim Ausbau erneuerbarer Energien helfen soll.

Webseite und Materialien

Bericht im Forschungsmagazin uni’wissen 01/2013